05.11.: Austrian Fashion Awards 2026: Ein Blick auf die Designer*innen der Startstipendien Mode
Foto: “Viola Kollár“ / Fotocredit: © Marie Luise Baumschlager / Quelle: © Austrian Fashion Association
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Im Rahmen der Austrian Fashion Awards 2026 werden neben den Gewinner*innen der Modepreise, die erst am 5. November bekannt gegeben werden, auch ausgewählte Arbeiten von Designer*innen gezeigt, die im Jahr zuvor über das Programm AFA Support der Austrian Fashion Association gefördert, bzw. mit einem Startstipendium Mode des BMWKMS ausgezeichnet wurden. Die Startstipendien Mode unterstützen junge Designer*innen dabei, ihre künstlerischen Positionen weiterzuentwickeln und den Einstieg in die österreichische und internationale Modeszene zu finden. Im vergangenen Jahr wurden folgende Designer*innen damit unterstützt:
Hao Wu / Sale Sale Studio (Societal Challenges)
Hao Wu gründete im Mai 2026 gemeinsam mit Alexander Georg Lehner Sale Sale Studio, dessen Projekte sich im Spannungsfeld von Mode, Kunst und Gesellschaft bewegen. In der Arbeit des Designstudios geht es wiederholt um die ungeschriebenen Regeln von Kultur, Klasse und Zugehörigkeit. Alltägliches, Handwerk und zeitgenössische Einflüsse treffen dabei auf konzeptuelles Design und einen bewusst eingesetzten, bisweilen bissigen Humor. Die erste Kollektion mit dem Titel Copy Paste setzt sich mit der Frage auseinander, wie sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Kontext den Wert von Kleidung bestimmt. Zwischen westlicher Obsession mit Originalität und der chinesischen Shanzhai-Tradition des Kopierens wird die Grenze zwischen Original und Fälschung bewusst verwischt. Die Methode wird dabei zur Botschaft: Ein Hemd, eine Anzughose und drei Stoffe bilden den Ausgangspunkt, werden wiederholt kopiert, verzerrt und neu zusammengesetzt bis daraus etwas völlig anderes entsteht. Spielerisch und ironisch hinterfragen die Designer, wer über Authentizität und Wert entscheidet und was Kleidung über Zugehörigkeit erzählt. Hao Wu und Alexander Georg Lehner lernten sich während ihres Studiums an der Kunstuniversität Linz kennen, sie leben und arbeiten in Wien.
Miranda Matondo (Societal Challenges)
Miranda Matondo ist das 2025 gegründete Modelabel der österreichisch-angolanischen Designerin Marie Matondo und der Spanierin Danaide Miranda. Im Zentrum ihrer Arbeit steht Kleidung jenseits binärer Geschlechterkategorien. Die Kollektionen schaffen Raum für individuellen Ausdruck und stellen tradierte Vorstellungen von Identität, Körper und Zugehörigkeit infrage. Kulturelle Recherche, Materialität und die Herkunft von Techniken bilden die Grundlage jedes Entwurfs. Zentral ist die direkte Zusammenarbeit mit lokalen Handwerker*innen sowie eine intensive Auseinandersetzung mit kulturellen Kontexten. Reisen, Austausch und gemeinsames Arbeiten vor Ort prägen die Entwicklung der Kollektionen und ermöglichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Materialien, Wissen und handwerklichen Traditionen. Wiederkehrende Elemente wie markante Kragenformen, Handstickereien und Animal Prints prägen die Handschrift des Labels. Aus kultureller Recherche und interkultureller Zusammenarbeit entsteht eine eigenständige Formensprache, die Mode als verbindendes und empowerndes Medium begreift. Die aktuelle Kollektion Mosaico entstand während eines einmonatigen Aufenthalts in Agadir. Inspiriert von der Bewegung und den kulturellen Verflechtungen des Flamenco verbindet die Kollektion traditionelle Amazigh-Schmuckkunst mit Materialien wie Silber, Onyx, Lapislazuli und Koralle. Im Zentrum stehen Bewegung, Handwerk und kultureller Austausch sowie die Idee des Duende, jenes Moments, in dem intuitiver Ausdruck die bewusste Kontrolle übersteigt. Danaide Miranda studierte an der New Design University in St. Pölten, Marie Matondo studiert an der Universität für angewandte Kunst Wien, beide leben und arbeiten in Wien.
Oliver Kuzma
Oliver Kuzma setzt sich mit historischen und zeitgenössischen Formen von Männermode auseinander. Seine Entwürfe verbinden Einflüsse aus der viktorianischen und edwardianischen Ära mit einer modernen, funktionalen Garderobe. Langlebigkeit, Robustheit und die Möglichkeit, dass Kleidungsstücke durch ihre individuelle Nutzung eine eigene Patina entwickeln, stehen dabei im Mittelpunkt. Inhaltlich untersucht Kuzma, wie Kleidung Zugehörigkeit, Status und gesellschaftliche Hierarchien sichtbar macht. Mode wird dabei zum Ausgangspunkt, um Vorstellungen von Klasse und Luxus zu hinterfragen und soziale Zuschreibungen neu zu betrachten. Seine aktuelle Kollektion ist von den frühen Filmen Guy Ritchies, Lock, Stock and Two Smoking Barrels und Snatch, inspiriert. Im Zentrum steht das Verhältnis zwischen Aristokratie und Arbeiterklasse und die Frage, was beide gesellschaftlichen Gruppen jenseits ihrer stereotypen Zuschreibungen verbindet. Zwischen Kriminalität, Träumen und Müßiggang richtet Kuzma den Blick auf die weicheren, spielerischeren Seiten beider Milieus und übersetzt diese in eine robuste, zugleich charaktervolle Menswear. Oliver Kuzma studierte am Modekolleg Michelbeuern und an der Universität für angewandte Kunst, er lebt und arbeitet in Wien.
Oliver Kuzma © Elif Gündüz
Paul Alexander Reisinger
Paul Alexander Reisingers Schaffen bewegt sich zwischen persönlicher Erinnerung und gegenwärtigen Einflüssen. Ausgehend von biografischen Referenzen und gefundenen Materialien entwickelt der Designer eine eigenständige Perspektive auf zeitgenössische Menswear. In seinen Kollektionen verbindet Reisinger Elemente aus seiner Kindheit, alpine Einflüsse oder florale Muster mit neuen visuellen und materiellen Bezügen wie Vintage-Textilien und gebrauchten Stoffen. Die Auseinandersetzung mit vorhandenen Materialien steht dabei im Zentrum seiner Arbeitsweise: Jedes Stück trägt eine eigene Geschichte und verleiht den Entwürfen eine besondere Tiefe und Materialität. Durch das Spiel mit den Gegensätzen Vergangenheit und Gegenwart, Maskulinität und Femininität, Vertrautem und Neuem entwickelt Reisinger eine persönliche Designsprache. Ein wiederkehrendes Thema seiner Arbeit ist die Erweiterung klassischer Vorstellungen von Männlichkeit. Traditionelle Menswear-Silhouetten treffen auf Elemente, die häufig mit femininen Codes verbunden werden, und eröffnen neue Perspektiven auf Körper, Identität und Kleidung. Die aktuelle, überwiegend aus Vintage-Beständen gefertigte Kollektion bewegt sich zwischen Disziplin und Erinnerung, Beständigkeit und Vergänglichkeit. Eine zurückhaltende Ästhetik trifft auf flüchtige, kindliche Momente und die Spuren von Vertrautem, das sich im Laufe der Zeit verändert. Paul Alexander Reisinger studierte am Institut Français de la Mode (IFM) in Paris und arbeitet derzeit als Junior Menswear Designer bei MM6 Maison Margiela in Paris.
Paul Alexander Reisinger © Paul Alexander Reisinger
Viola Kollár
Viola Kollárs Arbeit widmet sich der Beziehung zwischen Material, Form und Alltag und untersucht die Rolle von Accessoires als persönliche Begleiter, die die Vielschichtigkeit weiblicher Lebensrealitäten widerspiegeln. Für Kollár sind Taschen mehr als funktionale Objekte: Sie verbinden sich mit dem Körper, begleiten Menschen durch unterschiedliche Lebenssituationen und besitzen zugleich eine eigenständige Präsenz im Raum. Ihre Entwürfe bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Stärke und Verletzlichkeit, Funktionalität und Ästhetik, zeitloser Eleganz und unerwarteten Details. Einen besonderen Fokus legt Kollár auf Materialität und Handwerk: durch traditionelle Ledertechniken wie Handnaht und präzise Kantenverarbeitung schafft sie langlebige Stücke, die durch Qualität, Nutzbarkeit und emotionale Bedeutung überzeugen. Der Einsatz nachhaltig bezogener Leder und wiederverwendeter Materialien unterstreicht den bewussten Umgang mit Ressourcen. Viola Kollár studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien, sie lebt in Paris.
Viola Kollár © Marie Luise Baumschlager
Über die Startstipendien Mode
Unter dem Titel „Startstipendien“ schreibt das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport Stipendien für den künstlerischen Nachwuchs aus. Die Ausschreibung für die Sparte Mode (5 Stipendien) erfolgt durch die Austrian Fashion Association. Seit 2020 sind 2 der 5 Stipendien „Societal Challenges“ gewidmet. Der Förderschwerpunkt soll Modedesigner*innen oder in der Querschnittmaterie Mode arbeitende Künstler*innen oder Wissenschaftler*innen anregen, sich vermehrt mit den Sustainable Development Goals der United Nations (SDGs, sustainabledevelopment.un.org) auseinanderzusetzen und sie in Projekten und Kollektionen zu implementieren. Die Startstipendien Mode sind eine Anerkennung und Förderung des Schaffens junger Designer*innen aus den Bereichen Mode und Accessoires. Sie sollen die künstlerische Entwicklung vorantreiben und den Einstieg in die österreichische und internationale Modeszene erleichtern. Die Stipendien haben jeweils eine Laufzeit von 6 Monaten und sind mit je EUR 9.000,– dotiert. Die Vergabe der Stipendien erfolgt durch eine jeweils wechselnde, unabhängige Fachjury von namhaften Expert*innen aus den Bereichen Design, Kommunikation und Mode.
Über die Austrian Fashion Association
Die Austrian Fashion Association wurde 2014 gegründet, um die Professionalisierung und Internationalisierung der österreichischen Modedesignszene voranzutreiben. Als Plattform, Netzwerk und Interessenvertretung unterstützt sie Designer*innen und Kreative aus dem interdisziplinären Ökosystem der Mode, die mit experimentellen, verantwortungsvollen und zukunftsorientierten Ansätzen bestehende Strukturen hinterfragen und neue Perspektiven eröffnen. Die Austrian Fashion Association macht zeitgenössische Mode als Kulturgut sichtbar und schafft durch ihre Programme den Rahmen für künstlerische Entwicklung, wirtschaftliche Professionalisierung und internationale Vernetzung. Dabei verbindet sie kreative Praxis mit gesellschaftlichen, technologischen und ökonomischen Fragestellungen und stärkt die Sichtbarkeit österreichischer Mode im nationalen wie internationalen Kontext. Die von der Austrian Fashion Association vergebenen Austrian Fashion Awards haben sich zu den bedeutendsten und höchstdotierten Modepreisen Österreichs entwickelt.
Austrian Fashion Awards 2026
- Donnerstag, 5. November 2026
- Einlass: 19 Uhr
- Verleihung und Show: 20 Uhr
- Im Anschluss DJ-Sets und Drinks
- Kunsthalle Wien, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien
- Eine Veranstaltung der Austrian Fashion Association