Austrian Health Report 2026: Gender Health in Österreich
Foto: “SANDOZ Austrian Health Report 2026 – v.l.n.r. Thomas Czypionka (IHS), Eva Zeglovits (IFES), Barbara Haid (ÖBVP), Marco Pucci (Sandoz)“
Fotocredit: © SANDOZ – Sabine Sattlegger / Quelle: © SANDOZ
Wien 2026 | Werbung.Unbezahlt. | Instagram: @frauenbusinessatalexa
Fast jede zweite Frau fühlt sich im Gesundheitssystem nicht ernst genommen
Männer und Frauen in Österreich erleben das österreichische Gesundheitssystem sehr unterschiedlich: Während 56 Prozent der männlichen Bevölkerung damit (sehr) zufrieden sind, trifft das nur auf 41 Prozent der Frauen zu. Zugleich berichten Frauen häufiger von psychischer Belastung und negativen Erfahrungen bei ärztlichen Behandlungen. Das zeigt der Austrian Health Report 2026 (AHR), durchgeführt durch das Institut für empirische Sozialforschung IFES im Auftrag von Sandoz. Der diesjährige Fokus der repräsentativen Studie untersucht geschlechterspezifische Versorgungslücken und zeigt klaren Handlungsbedarf auf.
- Der weibliche Teil der Bevölkerung ist psychisch stärker belastet
- Frauen erleben doppelt so oft wie Männer, dass ihre Schmerzen oder Symptome bei Arztbesuchen nicht ernst genommen oder als psychisch abgetan werden
- Gesundheitsorganisation und Pflege bleiben überwiegend Frauensache: 67 Prozent übernehmen den Mental Load in Gesundheitsfragen
- Bestehender Informationsbedarf im Gesundheitsbereich wird auch über KI gedeckt
Österreichs Frauen sind stärker belastet – psychisch und körperlich
Ein erster Unterschied wird bei der psychischen Gesundheit sichtbar: 71 Prozent der Bevölkerung bewerten ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut. Hinter diesem Durchschnitt zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Frauen schätzen ihre psychische Gesundheit mit 26 Prozent viel seltener als sehr gut ein, als Männer mit 32 Prozent. Zudem berichten 48 Prozent der Frauen von chronischen Erkrankungen, gegenüber 45 Prozent der Männer.
Marco Pucci, Country President Sandoz Österreich: „Die Ergebnisse zeigen: Gleichberechtigter Zugang zu Gesundheit bedeutet mehr als die Verfügbarkeit von leistbaren und sicheren Medikamenten. Mit dem Austrian Health Report schaffen wir eine belastbare Grundlage für konkrete Verbesserungen, bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen und liefern Impulse für ein Gesundheitssystem, das Unterschiede früher erkennt und den Bedürfnissen aller besser gerecht wird.“
Gesundheitsorganisation bleibt Frauensache
Die Ergebnisse des AHR 2026 zeigen auch, dass Frauen in Österreich beim Thema Gesundheit weiterhin den Hauptanteil des Mental Loads innerhalb der Familie übernehmen: 67 Prozent der Frauen mit Partner geben an, sich um Gesundheitsfragen wie Arzttermine oder Vorsorgeuntersuchungen für sich, Partner und andere zu kümmern, im Vergleich zu 44 Prozent der Männer mit Partnerinnen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei der Pflege anderer ab: Ist jemand im Haushalt krank oder verletzt, sagen 58 Prozent der Frauen mit Partner, dass sie diese Aufgaben überwiegend in der Familie übernehmen, im Vergleich zu 21 Prozent der Männer mit Partnerinnen. Eine weitere psychische Belastung, die mehrheitlich bei Österreichs Frauen liegt.
Mag. Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP): „Frauen stehen aufgrund der Mehrfachbelastung von Beruf, Care Arbeit, Mental Load und auch den nach wie vor bestehenden gesellschaftlichen Normen massiv unter Druck. Das hat natürlich starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der gesamten weiblichen Bevölkerung. Gleichzeitig wissen wir, dass medizinische Forschung geschlechterspezifische Aspekte noch nicht ausreichend berücksichtigt. Die Daten zeigen uns schwarz auf weiß, dass wir Frauen in der gesundheitlichen Versorgung explizit mitdenken und ihre Bedürfnisse vollumfänglich ernst nehmen müssen. “
44 Prozent der Frauen fühlen sich im Gesundheitssystem nicht ernstgenommen
Besonders deutlich wird der Gender Health Gap in der ärztlichen Behandlung. Frauen berichten verstärkt über negative Erfahrungen: Besonders besorgniserregend dabei ist, dass fast die Hälfte der Frauen (44 Prozent) angeben, dass ihre Schmerzen zumindest gelegentlich nicht ernstgenommen wurden – das sind fast doppelt so viele wie Männer (23 Prozent) mit ähnlichen Erfahrungen. Zudem gaben 36 Prozent der Frauen an, dass ihre Symptome als psychisch bzw. psychosomatisch abgetan wurden. Ähnliche Erfahrungen haben nur 15 Prozent der Männer.
Das wirkt sich auf das Vertrauen aus: Nur rund vier von zehn Frauen (46 Prozent) sind überzeugt, dass Ärzt*innen Geschlechterunterschiede in der Behandlung berücksichtigen. Bei Männern sind es lediglich sechs von zehn (63 Prozent).
Dr. Thomas Czypionka, Head of Research Group Health Systems and Health Policy IHS: „Gerade, wenn geschlechterspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung vernachlässigt werden, sind die Folgen für die Gesundheit und das Gesundheitswesen groß. Das sehen wir etwa bei Männern in der Vorsorge oder bei zahlreichen Krankheitsbildern, wie der Endometriose, die Frauen betreffen. Hier besteht großes Potenzial, Ressourcen effizienter einzusetzen und letztendlich die Bevölkerung besser zu versorgen.”
Wissenslücke zu Geschlechterunterschieden bei Medikamenten und Krankheiten nach wie vor groß – vor allem bei Männern, Frauen greifen auf KI zurück
Die Forschung bezieht geschlechterspezifische Unterschiede etwa bei der Häufigkeit von Krankheitsbildern, Art der Symptome oder Nebenwirkungen erst seit kurzem mit ein. Bei physischen Krankheiten herrscht darüber in Österreich zumindest bereits ein gewisses Bewusstsein: Gut zwei Drittel der Männer (68 Prozent) und sogar fast drei Viertel der Frauen (72 Prozent) wissen etwa über mögliche Unterschiede bei der Wirkung von Medikamenten Bescheid. Die unterschiedlichen Auswirkungen bei Herzinfarkten kennen 70 Prozent der weiblichen und 59 Prozent der männlichen Bevölkerung. Anders ist die Situation bei psychischen Erkrankungen: Geschlechterspezifische Symptome etwa bei Depressionen sind rund jedem zweiten bekannt (53 Prozent bei Frauen, 49 Prozent bei Männern). Bei AD(H)S oder Autismus hingegen weiß nicht einmal jeder dritte Mann (28 bzw. 22 Prozent) und rund vier von zehn Frauen (44 bzw. 37 Prozent) Bescheid. (siehe Abbildung 4)
Hier müssen die Lücken in der Gesundheitskompetenz – bei Frauen wie auch Männern – gezielt beseitigt werden, etwa durch zeitgemäße digitale Anwendungen. Denn über zwei Drittel der Frauen, die mindestens einmal monatlich KI nutzen (69 Prozent), greifen auch bei Gesundheitsfragen zumindest gelegentlich auf Künstliche Intelligenz zurück, bei Männern nur 60 Prozent. Aufgrund der fehlenden Regulierungen und Unsicherheiten der genutzten Quellen ein durchaus kritischer Trend.
Dr. Eva Zeglovits, Geschäftsführerin Institut für empirische Sozialforschung IFES: „Mit dem Austrian Health Report haben wir in diesem Jahr nicht nur ausführliche und belastbare Daten zur Gender Health in Österreich, sondern sehen erstmals im Detail, wie unterschiedlich Männer und Frauen die österreichische Gesundheitsversorgung erleben und wo Handlungsbedarf herrscht.“
Gender Health betri1 alle und gehört in die Mitte der Gesellschaft
Welche Auswirkungen geschlechterspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung auch für die Wirtschaft und gesamte Gesellschaft haben, zeigt das Beispiel Menstruation:
30 Prozent der befragten Frauen unter 60 Jahren berichten, dass ihr Alltag durch ihre Periode stark beeinträchtigt wird, weitere 25 Prozent geben an, mittlere Beeinträchtigungen zu erleben – also mindestens jede zweite Frau. Besonders belastet ist die Gruppe der 30- bis 44-Jährigen. Rund jede vierte berufstätigen Frau gibt an, dass sie mindestens einen Tag pro Zyklus mit starken Schmerzen und anderen damit verbundener Beschwerden zur Arbeit erscheint.
Versorgungssicherheit bleibt für die gesamte Bevölkerung zentral
Inmitten zunehmender geopolitischer Spannungen und multipler Krisen bleibt für 88 Prozent der Bevölkerung die heimische Medikamentenproduktion zentral, bei Frauen etwas mehr als Männern (91 vs. 85 Prozent). Die wichtigsten Gründe sind klar die Verringerung außereuropäischer Abhängigkeiten und die Versorgungssicherheit im Krisenfall (je 28 Prozent). 89 Prozent sprechen sich sogar dafür aus, dass heimische Krankenkassen in Europa produzierte Medikamente bevorzugen sollen. Ein klarer Auftrag an alle Stakeholder*innen, bei der Medikamentensicherheit die europäische Produktion im Sinne der Bevölkerung zu stärken.
82 Prozent der Bevölkerung sehen Zwei-Klassen-Medizin in Österreich
Die steigende Unzufriedenheit mit dem heimischen Gesundheitssystem beruht vor allem auf zwei Hauptkritikpunkten: 57 Prozent kritisieren zu lange Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen und sogar 82 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Menschen, die es sich leisten können, schneller behandelt werden. Trotz angespannter Staatsfinanzen werden Einsparungen in der Gesundheitsversorgung von 82 Prozent der Bevölkerung klar abgelehnt.