Yellow September 2026 – Aktionsmonat für psychosoziale Gesundheit: Alexandra Glander bringt eine ungewöhnliche Perspektive in die Mental-Health-Debatte

Yellow September 2026 – Aktionsmonat für psychosoziale Gesundheit: Alexandra Glander bringt eine ungewöhnliche Perspektive in die Mental-Health-Debatte

Ein „Jammerlappen“ für die psychische Gesundheit: Wie eine Lichtenwörther Beraterin humorvoll-provokant unbewusste Muster sichtbar macht

Pünktlich zum aktuellen Aktionsmonat für psychosoziale Gesundheit bringt die psychosoziale Beraterin und Künstlerin Alexandra Glander eine ungewöhnliche Perspektive in die Mental-Health-Debatte. Statt trockener Theorie setzt sie auf die Comicfigur Der Jammerlappen – und auf ein ungewöhnliches Selbstinterview über die Kunst, die eigene Verantwortung nicht mehr wegzuschieben.

Der aktuelle ORF NÖ-Bericht zum psychosozialen Aktionsmonat zeigt deutlich: Mentale Gesundheit rückt endlich mehr in den Fokus. Doch wie geht man vor, wenn man im Leben feststeckt? „Wir wollen glücklich sein, doch selten können wir den eigenen Anteil sehen, wenn wir es nicht sind“, bringt die Lichtenwörther Beraterin Alexandra Glander die Idee hinter ihrer Comicfigur auf den Punkt. Mit dem Jammerlappen gibt Glander den unbewussten Mustern, die uns mitunter im Weg stehen, ein Gesicht – und bringt dabei so manchen blinden Fleck humorvoll-provokant zum Vorschein. Im folgenden Interview befragt sie sich dazu kurzerhand selbst.

Alexandra Glander im Gespräch mit sich selbst

Frage: Du arbeitest seit Jahren mit Menschen in Umbruchphasen. Wie kommt man auf die schräge Idee, heikle menschliche Themen mithilfe einer Comicfigur sichtbar zu machen?

Alexandra Glander: Da spielen bei mir zwei Ebenen zusammen. Zum einen nehme ich Gefühle und Dynamiken seit jeher stark in Bildern wahr. Zum anderen habe ich mich selbst in einer herausfordernden Lebensphase immer wieder sagen gehört: „Alexandra, jetzt hör endlich auf zu jammern und mach dein Ding!“ Eines Tages hatte ich dann plötzlich diese Figur vor Augen. Das war die Geburtsstunde des Jammerlappens.

Frage: Welches Phänomen, dem du heute mit deiner Figur ein Gesicht gibst, begegnet dir in der Beratung – und bei dir selbst – am häufigsten?

Alexandra Glander: Das unbewusste Wegschieben der eigenen Verantwortung. Zum Beispiel kommen manche Kunden nach Monaten mit exakt demselben Problem wieder und erläutern facettenreich, warum sie doch nichts verändert haben, gleichzeitig aber nach wie vor eine Lösung wollen. Ich gebe gern zu, dass ich da auch immer wieder meine eigenen Themen habe. Ich bin ja kein Guru und habe mich noch nie als die allwissende Expertin gesehen, die ihr Leben zu 100 Prozent und immer und überall im Griff hat. Ich unterstütze meine Kundinnen und Kunden, ihren unbewussten Mustern auf die Schliche zu kommen, und sie helfen mir ebenso, meine eigenen Auas zu entlarven.

Frage: Warum fällt es uns eigentlich so schwer, die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen?

Alexandra Glander: Es ist einfach bequemer, im Außen nach Ursachen zu suchen. Sobald ich erkenne, dass ich selbst etwas mit einer Situation zu tun habe, wird es ungemütlich. Dann muss ich Entscheidungen treffen, Grenzen setzen oder mir Dinge ansehen, die ich unter den Teppich gekehrt habe. Wenn ich nun diesen Teppich hochhebe, kann mir angesichts der angesammelten Übelkeiten erst mal schlecht werden. Wer ein glückliches Leben führen möchte, kommt aber um eigenverantwortliches Handeln nicht herum, auch wenn’s mal kurz piekst und zwickt – oder einem angesichts dessen, was man entdeckt, kotzübel wird.

Frage: Der Jammerlappen arbeitet mit provokantem Humor. Warum ist das gerade bei ernsten Themen dein Zugang?

Alexandra Glander: Weil für mich Humor und Kreativität der Zugang zur Innenwelt sind. Der Jammerlappen stupst dort an, wo etwas blockiert oder nicht dienlich ist. In dem Moment, in dem ich das erkenne und trotzdem über mich schmunzeln kann, bin ich mir selbst sofort wieder näher. Und wenn ich dabei entdecke, dass ich mir damit mehr als mir lieb ist im Weg stehe, kann ich mich fragen: „Was kann ich selbst tun, um etwas zu verändern, und wann ist der Punkt erreicht, an dem ich Unterstützung benötige?“ Denn niemand muss immer alles allein lösen.

Zur Person:
Alexandra Glander ist psychosoziale Beraterin, Supervisorin, Trainerin sowie Künstlerin und Autorin in Lichtenwörth (Bezirk Wiener Neustadt).
Mit ihrer Comicfigur Der Jammerlappen schafft sie eine visuelle Zuspitzung für Themen, die oft schwer in Worte zu fassen sind.

alexandraglander.at

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